Ursula Nuber: Gestresste Paare sind gefährdet

Ärger mit dem Chef, Streit mit den Kindern, Probleme mit den alten Eltern: Die täglichen Widrigkeiten und die Routinen des Alltags können eine Partnerschaft stark belasten. Die Folgen sind auf verschiedenen Ebenen spürbar:

  • Die Kommunikation verschlechtert sich. Paare, die mit Stress nicht gut umgehen können, kapseln sich voneinander ab, sprechen nicht über ihre Probleme. Tauschen sie sich überhaupt noch aus, dann ist die Kommunikation häufig durch negative Bemerkungen geprägt: Kritik wird nicht deutlich ausgedrückt, stattdessen fügen sich die Partner mit Andeutungen und mehr oder weniger offenen Vorwürfen gegenseitig Verletzungen zu. Auf Dauer wird es für ein Paar immer schwieriger, einander nahe zu sein und zu verstehen, was im anderen vorgeht.
  • In gestressten Beziehungen bleibt den Partnern wenig Zeit füreinander. Alle Energie wird auf die Stressquelle gelenkt. Gemeinsame Aktivitäten werden immer seltener, auch sexuelle Kontakte werden reduziert oder fehlen völlig.
  • Stress wirkt sich auf das körperliche und psychische Befinden aus. Gestresste Menschen leiden häufig unter Schlafstörungen, Lustlosigkeit und Depression. Auch dies kann eine Partnerschaft belasten.

Das Ausmaß der Stressbelastung ist jedoch nicht der ausschlaggebende Grund für die Schwierigkeiten in Paarbeziehungen. Viel mehr hängt davon ab, wie die Partner mit dem Stress umgehen.

Wie die Schweizer Psychologen Guy Bodenmann und Annette Cina herausgefunden haben, stabilisiert es eine Partnerschaft, wenn das Paar die Stresssituation „dyadisch“, also gemeinsam zu bewältigen versucht. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Paar angemessen miteinander über das Problem reden und sich Unterstützung geben kann.

Ist nur ein Partner vom Stress betroffen, ist es wichtig, dass der andere sich in dessen Lage einfühlen und dafür Verständnis entwickeln kann. Je inkompetenter ein Paar in der Stressbewältigung ist, desto instabiler ist die Beziehung.

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