Ursula Nuber: Depression und Angst: Psychische Erkrankungen nehmen zu

„Psychische Erkrankungen sind in der Allgemeinbevölkerung – vor allem bei Frauen – weit verbreitet, und sie spielen bei Arbeitsunfähigkeitsfällen und Frühberentungen eine immer größere Rolle.“

Das ist eine der Kernaussagen des vom Robert-Koch-Institut (RKI, www.rki.de) und vom Statistischen Bundesamt gemeinsam veröffentlichten Berichts „Gesundheit in Deutschland“.

Innerhalb eines Jahres durchleben nach diesem Bericht 15 Prozent der Frauen und 8 Prozent der Männer eine depressive Phase. Gefürchtete Folge einer Depression sei der Selbstmord. So versterbe etwa einer von sieben schwer depressiven Patienten durch Suizid. Insgesamt gingen 40 bis 70 Prozent aller Selbstmorde auf eine Depression zurück.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es im Jahr 2004 knapp 11.000 Selbstmorde, die zu 74 Prozent von Männern begangen wurden. Die tatsächliche Zahl der Suizide, schreibt das RKI, „dürfte noch erheblich höher liegen, da sich in der Todesursachenstatistik hinter Verkehrsunfällen, Drogentodesfällen oder unklaren Todesursachen nicht erkannte Selbstmorde verbergen können“.

Die Depression gilt als „Mutter aller Zivilisationskrankheiten“, denn sie ist – so hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) errechnet – weltweit für 11,8 Prozent der years of life lived with disability verantwortlich. Pro Jahr stellt die Depression demnach für 67 Millionen Menschen eine Behinderung dar, die ihre Lebensqualität stark herabsetzt. Im Jahr 2020 wird die Depression die zweithäufigste Krankheit weltweit sein, schätzt die WHO.

Auch Angsterkrankungen sind in Deutschland weit verbreitet. Innerhalb eines Jahres erfährt jede fünfte Frau und fast jeder zehnte Mann eine solche Störung. Diese führt oft zu starken Beeinträchtigungen des alltäglichen Lebens.

Eine Studie der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) bestätigt die Zunahme von Angsterkrankungen und Depressionen. Die Experten der DAK sprechen von einem „dramatischen“ Anstieg. Im Zeitraum von 1997 bis 2004 ging die Zahl der psychischen Erkrankungen um 70 Prozent nach oben, am häufigsten litten die Betroffenen unter Ängsten und depressiven Störungen.

Besonders betroffen waren die 15- bis 34-Jährigen. In dieser Altersgruppe hat sich die Zahl der Fälle zum Teil verdoppelt. „In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit reagieren offensichtlich auch mehr junge Menschen mit psychischen Problemen auf berufliche und private Anforderungen“, erklärt Herbert Rebscher von der DAK.

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